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Festrede zum 20-Jahre-Jubiläum des SchreibCenters der Alpen-Adria-Universität (AAU) in Klagenfurt

Bildbeschreibung: 20-Jahre-Feier des SchreibCenters der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt mit (von links nach rechts): Mag.a Carmen Mertlitsch, Univ.-Prof. em. Dr. Paul Kellermann, Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Ursula Doleschal, Dr.in Maria Nicolini, Mag.a Dr.in Karin Wetschanow, Dr. Gerd Bräuer Bildquelle: Carmen Mertlitsch

Das SchreibCenter der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt feiert sein 20-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Festes gibt Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Ursula Doleschal, die wissenschaftliche Leiterin des SchreibCenters, in Form von Blitzlichtern Einblick in die Schreibzentrumsarbeit.

Liebe Schreib-Community! Ich freue mich sehr, dass wir heute, am Vorabend der GewissS-Tagung, die ab morgen an der PH Kärnten stattfindet, in einem kleineren Kreis das 20-jährige Jubiläum des SchreibCenters der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) feiern können.

20 Jahre sind eine lange Zeit, die trotzdem schnell vergangen ist. Ich möchte keine großen Worte machen, nur ein paar Blitzlichter:

2004: Das erste Schreibzentrum Österreichs!

2004 hat die Universität Klagenfurt das erste Schreibzentrum Österreichs gegründet. Diese Gründung hat mehrere Wurzeln: einerseits mein eigenes damals bereits mehrjähriges Interesse an Schreibdidaktik und sprachwissenschaftlicher Schreibforschung; andererseits die Idee von Prof. Paul Kellermann, den Schreibstandard an der Universität aus Sondermitteln seiner Fakultät zu fördern und last but not least eine Gruppe von Lehrenden und Wissenschaftler*innen der AAU, die sich bereits mit schreibwissenschaftlichen Problemen beschäftigten. So kam es dazu, dass Paul Kellermann seinen damaligen Assistenten Helmut Guggenberger mit der Gründung einer AG beauftragte, die im Herbst 2003 ein Konzept erarbeitete, das dann dem Gründungskonvent und dem Rektorat vorgelegt und von diesem beschlossen wurde. In diesem Prozess wurde mir die Leitung des SchreibCenters übertragen. Das Rektorat stellte von Anfang an ein Lehrbudget zur Verfügung und so startete das SchreibCenter im Wintersemester 2004 mit einem Lehrprogramm, das 10 Lehrveranstaltungen umfasste und an dem u.a. Maria Nicolini, Ursula Esterl, Karin Wetschanow, Josef Schneeweiß, Helmut Guggenberger und ich selbst mitwirkten.

Die Kunde von der Gründung des SchreibCenters hatte sich herumgesprochen und so sind Carmen Mertlitsch und Jürgen Struger im Sommer 2004 vor meinem Büro gestanden, um ihre Mitarbeit anzubieten, denn sie hatten sich auch bereits selbstständig mit der Verbesserung von Schreibstandards beschäftigt.

Im Herbst 2004 veranstalteten wir außerdem eine Tagung zum wissenschaftlichen Schreiben und einen Workshop mit Gerd Bräuer als Auftakt für das SchreibCenter.

Durch die tatkräftigen Bemühungen von Carmen Mertlitsch konnte ab März 2005 eine Teilzeitstelle für zwei Jahre für sie fremdfinanziert werden, auch die Vernetzungsarbeit von Jürgen Struger und Carmen Mertlitsch haben ermöglicht, das SchreibCenter in den ersten Jahren zu finanzieren, denn von der Universität wurde nur das Lehrbudget und ab 2005 ein Raum zur Verfügung gestellt.

2007: Ausbildung von Peertutor*innen zur Beratung wissenschaftlichen Schreibens

Das SchreibCenter hat 2007 als erste österreichische Institution mit der Ausbildung von Peertutor*innen begonnen, zuerst unter Leitung von Carmen Mertlitsch, dann als Lehrgang und nun unter der Leitung von Karin Wetschanow.

2009: 5. Jubiläum & Gründung der GewissS

Zum 5. Jubiläum des SchreibCenters 2009 hat Carmen bei der Jubiläumstagung zusammen mit Markus Rheindorf angeregt, nach Schweizer Vorbild einen Dachverband für wissenschaftliches Schreiben in Österreich zu gründen, was dann auch geschehen ist. Karin Wetschanow hat diesen Verein maßgeblich mitaufgebaut, unter anderem in den Jahren ihrer Präsidentinnenschaft – so wie auch derzeit. Das hat zu einer weiteren Professionalisierung der Schreibforschung und Schreibdidaktik in Österreich geführt.

2014 – 2016: Internationales Projekt WRILAB2

2014 – 2016 war das SchreibCenter Partner in einem EU-Projekt zur Erarbeitung eines mehrsprachigen Online-Schreiblabors WRILAB2 in Kooperation mit den Universitäten Udine, Ljubljana und Prag.

2019: Erste gemeinsame Tagung der GewissS, der gefSuS und des Forums Schreiben

2019 haben wir in Klagenfurt die erste gemeinsame Tagung der drei deutschsprachigen Dachverbände GewissS, gefSuS und Forum Schreiben mit dem Titel „Schreibwissenschaft – eine neue Disziplin? Diskursübergreifende Perspektiven“ abgehalten, aus der dann auch ein wegweisender Tagungsband hervorgegangen ist und nicht zuletzt die Etablierung der Schreibwissenschaft als eigene Disziplin, die heute auch im Katalog der Wissenschaften des ÖSTAT (Statistik Austria) enthalten ist und einen Wikipedia-Artikel bekommen hat.

2024: Erweiterungsstudium „Schreibwissenschaft“ & Masterstudium „Kreatives Schreiben und Schreibkulturen“

Die Schreibberatungs-Ausbildung kann nunmehr im Erweiterungsstudium „Schreibwissenschaft“ mit 32 ECTS-Punkten integriert werden. Dieses Erweiterungsstudium steht allen Schreibinteressierten aus dem In- und Ausland als erstes Studium zum Schreiben ohne Aufnahmeprüfung an einer deutschsprachigen Universität offen. Und seit diesem Herbst können wir ein langjähriges Desiderat des SchreibCenters umsetzen, wir bieten nämlich mit dem Institut für Germanistik und dem Robert-Musil-Literaturinstitut das Masterstudium „Kreatives Schreiben und Schreibkulturen“ an, ebenfalls ohne Aufnahmeprüfung, weil es ein kulturwissenschaftliches Studium ist (nicht an einer Privat- oder an einer Kunstuniversität angesiedelt).

Das SchreibCenter der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt hat viele Standbeine:

  • Die Beratung von Studierenden und Lehrenden, von Forschenden und Instituten, von Schüler*innen und Lehrer*innen und weiteren Interessierten.
  • Tutorien und Lehrveranstaltungen begleiten und fördern Schreibende in allen Phasen des wissenschaftlichen Schreibprozesses, von der Themenfindung, Themeneingrenzung und der Formulierung einer Forschungsfrage bis hin zu Strukturierung und dem Niederschreiben sowie der Endredaktion.
  • Hochschuldidaktische Weiterentwicklung der Universität zählt auch zu unseren Angeboten, diese findet aktuell vor allem in Hinblick auf die Nutzung von KI-Tools und deren Umgang im Schreiben statt.
  • Das Erweiterungsstudium Schreibwissenschaft und das Masterstudium Kreatives Schreiben und Schreibkulturen bieten eine fundierte schreibwissenschaftliche Ausbildung in den verschiedenen Domänen des Schreibens.
  • Gestaltung von Writing Retreats (Schreibwoche, Schreibmonat, Schreibreise) und anderen Schreibveranstaltungen (Lange Nacht des Schreibens usw.).

Die Angebote des SchreibCenters richten sich einerseits an Studierende und andererseits an Forschende, Lehrende und administrative Mitarbeiter*innen der AAU. Darüber hinaus steht das SchreibCenter auch allen anderen interessierten Personen und außeruniversitären Einrichtungen zu Forschung, Aus- und Weiterbildung offen bzw. auch Unternehmen, die sich mit ihren eigenen Textproduktionen auseinandersetzen und ihre Texte verbessern wollen.

Ad multos annos!

Ich bin stolz auf das SchreibCenter, auf das, was hier von vielen ständigen und zeitweiligen Mitarbeiter*innen geleistet wurde, und möchte allen Beteiligten dafür danken, auch jenen, die nicht mehr dabei sind und jenen, deren Namen ich eventuell vergessen habe zu nennen.

Ursula Doleschal im SchreibCenter Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, am 6. November 2024

Das SchreibCenter der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt feierte 2024 sein 20-jähriges Jubiläum.

  • Welche Erfahrungen haben Sie in der Institutionalisierung von Schreibzentren gemacht?
  • Welche Angebote sind aus Ihrem Schreibzentrum nicht mehr wegzudenken?
  • Und wie haben Sie es geschafft, Ihr Schreibzentrum an der Hochschule einzubetten und bekannt zu machen?

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen und auf eine anregend-angeregte Diskussion in den Kommentaren!

Cite this article as: Ursula Doleschal, Festrede zum 20-Jahre-Jubiläum des SchreibCenters der Alpen-Adria-Universität (AAU) in Klagenfurt, in Die Schreibtasche für Schreibdidaktik, 14/01/2025, https://doi.org/10.58079/132wo.

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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Gastbeitrag (14. Januar 2025). Festrede zum 20-Jahre-Jubiläum des SchreibCenters der Alpen-Adria-Universität (AAU) in Klagenfurt. Die Schreibtasche für Schreibdidaktik. Abgerufen am 15. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/132wo


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