Zehn Jahre Schreiben im Zentrum
Das Zentrum für wissenschaftliches Schreiben (ZEWISS) der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien feierte im Studienjahr 2024/2025 runden Geburtstag! Ein Grund, um die wesentlichen Meilensteine aus 10 Jahren Schreibzentrumsarbeit an der größten Hochschule für Angewandte Wissenschaften Österreichs zu reflektieren und einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Ein Gastbeitrag von Katharina Rösler, Florentina Astleithner, Panthea Baghbani
Bildquelle: ZEWISS
Das Zentrum für wissenschaftliches Schreiben an der HAW Campus Wien – ZEWISS
Seit Herbst 2014 steht das Zentrum für wissenschaftliches Schreiben – ZEWISS an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Campus Wien1 allen Schreibenden offen. Jedes Semester bieten wir ein buntes Programm aus Workshops, Textwerkstätten, Beratungsformaten und Veranstaltungen an. Zudem platzieren wir Schreiben und Schreibdidaktik in unserer Hochschule kontinuierlich als interdisziplinäres zentrales Thema.
Unser Team besteht aus 3 Personen und wir werden fallweise durch nebenberufliche Lehrende und eine administrative Anlaufstelle unterstützt.
Katharina Rösler ist Leiterin des ZEWISS und Lehrende in der Elementarpädagogik. Sie hat Geschichte und Germanistik in Wien studiert, ist akademische Bibliothekarin und schon seit 2007 in verschiedensten Positionen an der HAW Campus Wien tätig. Selbst schreibt sie am liebsten Gedichte, Kriminalgeschichten und reflexive Texte, bevorzugt in ihrem Garten oder in ihrem Stamm-Kaffeehaus.
Florentina Astleithner ist FH-Professorin (seit 2016), Lehrende und Forschende am Studiengang Sozialwirtschaft (seit 2008) und seit der Gründung bis Juli 2025 Mitarbeiterin des ZEWISS. Als Soziologin, Schreibtrainerin (seit 2013) und Journal Writing Coach (seit 2019) publiziert sie fachspezifische Texte, begleitet Textprojekte und schreibt zum Selbstcoaching und zur Entschleunigung.
Panthea Baghbani absolvierte die Ausbildung zur Schreibmentorin am CTL der Universität Wien und war dort als Schreibassistentin tätig, ehe sie Anfang 2023 ins ZEWISS wechselte. Fachlich kommt sie aus der Germanistik mit besonderem Schwerpunkt auf postkoloniale Theorien. Seit 2024 studiert sie zudem interdisziplinäre Ethik. In ihrer Freizeit schreibt sie Kurzgeschichten und Gedichte.
Unsere Geschichte
Im Studienjahr 2012/2013 fanden erstmals außercurriculare, kostenlose Schreibwerkstätten, offen für Studierende aller Studienrichtungen, statt. Daraus ergab sich die Idee eines didaktischen Konzepts für ein eigenes hochschulinternes und disziplinenübergreifendes Schreibzentrum. Die offizielle Gründung erfolgte im Studienjahr 2014/2015 durch das Vizerektorat für Lehre sowie die Zuordnung zur Abteilung Teaching Support Center – Hochschuldidaktik, ein für uns wichtiger institutioneller Anker.
Bildquelle: Silvia Haselhuhn für die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien.
Innerhalb der letzten 10 Jahre ist unsere Hochschule zur größten Hochschule für Angewandte Wissenschaften Österreichs gewachsen. Dementsprechend entwickeln wir uns mit ihr und passen unsere Angebote laufend an die stetig wechselnden Bedarfe an. Die Zahl der Studierenden und Lehrenden hat sich in diesen Jahren auf rund 10.000 Personen fast verdoppelt. Unser Büro liegt nach wie vor am Standort Altes Landgut in Wien Favoriten im „Stammhaus“. Allerdings umgeben uns mittlerweile mehrere zusätzliche Gebäude, sodass wir zusehends in einer Science City arbeiten. Die Disziplinen spannen sich in fast 70 vielfältigen Studien- und Lehrgängen der sieben Departments auf: Angewandte Pflegewissenschaft, Applied Life Sciences, Bauen und Gestalten, Gesundheitswissenschaften, Sozialwissenschaft, Technik, sowie Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheit, Politik – und alle schreiben!
Unsere Agenden
Von Beginn an war es uns wichtig, möglichst viele Schreibende zu erreichen, daher setzen wir auf Angebote sowohl für Studierende als auch für Lehrende und Studiengangs-Teams als Multiplikator*innen. Der aktuelle Trend zur Nutzung von Technologien Künstlicher Intelligenz im wissenschaftlichen Schreibprozess spiegelt sich auch in unseren Angeboten wider. Wir möchten dabei eine gute Balance finden zwischen der Vermittlung von Basiskompetenzen des wissenschaftlichen Schreibens und Forschens, der Fähigkeit zur kritischen Reflexion und Beurteilung von Texten sowie darüber hinaus einem verantwortungsvollen Umgang mit KI-Tools. Im Fokus bleibt immer die Gestaltung des Schreibprozesses, dieser bestimmt den Weg zu einem angemessenen Produkt, das den jeweiligen Anspruch erfüllt.
Studierende erwartet bei uns zum Beispiel:
- Workshops zum wissenschaftlichen Schreibprozess: Planung, Literaturbearbeitung, Struktur, Argumentation und Zitieren, Textüberarbeitung, Wissenschaftssprache und KI-Technologien
- Abschlussarbeit im Fokus
- Lange Nacht des Schreibens
Alle Angebote können mittlerweile ortsungebunden und niederschwellig genutzt werden als Folge der Covid-Pandemie, die eine nachhaltige Umstellung von Präsenz- auf Online-Angebote bewirkte.
Mit der individuellen Schreibgruppe haben wir neben den oben angeführten Angeboten ein Format geschaffen, das eine Schreibberatung im Gruppensetting ermöglicht. Wir beraten und begleiten Studierende ab einer selbstgewählten Gruppengröße von mindestens drei Personen bei individuellen Arbeits- und Schreibprozessen. Das Angebot vereint somit die klassische Schreibberatung mit Elementen der Peer-Schreibgruppe und öffnet den Studierenden einen Raum für (Peer-)Feedback, Austausch und Reflexion sowie die Klärung individueller Fragen und Anliegen.
Lehrende erwartet zum Beispiel:
- Workshops zu Schreibprozessdidaktik, Plagiatsprävention, Textsortenkonzeption, Begleitung studentischer Texte, Entwicklung von Schreibarrangements für die Lehre, Textfeedback
- Prompt Labore
- Textwerkstätten (mit und ohne Fokus auf Umgang mit Künstlicher Intelligenz beim wissenschaftlichen Arbeiten)
- ein Rufseminar zur Textsorte Abschlussarbeit und eine
- Sammlung von Ressourcen für schreibintensive Lehre
Gegenwärtig arbeiten wir zudem an Moodle-Selbstlernstrecken, die unter dem Serientitel :schreibbausteine: zur Unterstützung der Lehre konzipiert sind. Der Pilotkurs :schreibbaustein: Poster zur Gestaltung wissenschaftlicher Poster ging im Sommersemester 2025 online und vereint interaktive Elemente mit informativen Inputs und praktischen Handouts zum Download. Weitere Kurse zum Einstieg ins wissenschaftliche Arbeiten, zum Thema Prokrastination und zur Textsorte Abstract werden im Laufe des Studienjahres 2025/2026 freigeschaltet.
Wir bemühen uns innerhalb der Hochschule laufend um intensives Schnittstellenmanagement und um die Präsenz bei themenspezifischen Arbeitsgruppen oder Weiterbildungsformaten. Denn unser Vorgehen ist explorativ, ein Ausprobieren und Evaluieren orientiert am wahrgenommenen Bedarf aus der Lehre und hausinternen Rückmeldungen, Feedback der Teilnehmenden oder Trends, die uns durch den Austausch mit der Schreibwissenschaft-Community in Österreich, Deutschland und der Schweiz aufgezeigt werden. Dazu nehmen wir an länderübergreifenden Tagungen teil, pflegen den Austausch mit Fachkolleg*innen und bringen Beiträge und Publikationen zum Schreiben auf den Weg. So waren wir von Beginn an Teil der GewissS – Gesellschaft für wissenschaftliches Schreiben Österreichs und der Schreibtasche, die ebenfalls mit uns gewachsen ist und uns inspiriert.
Ausblick auf die nächsten Ziele
Das neue Schreibdidaktik-Jahrzehnt kündigt sich mit großen Entwicklungen und Umbrüchen an. Die digitale Transformation in der Hochschullandschaft wird von wachsenden Möglichkeiten textgenerierender Künstlicher Intelligenz vorangetrieben, die eine kontinuierliche inhaltliche Positionierung von uns als Schreibzentrum sowie weitere Ausdifferenzierung unserer Angebote verlangt. So haben wir bereits im vergangenen Studienjahr regelmäßig Reflexionsräume für Lehrende und Forschende geöffnet, um die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von KI-Tools im Kontext Hochschule zu diskutieren. Laufende Anfragen, die wir zudem rund um das Thema KI erhalten, zeigen den wachsenden Stellenwert, den die Aus- und Weiterbildung von Schreibkompetenz vor diesem Hintergrund erhalten. Parallel zur Schreibdidaktik durchläuft auch unsere Institution kontinuierlich dynamische Veränderungsprozesse wie beispielweise die Markenmigration von der „Fachhochschule“ zur „Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien“ im Juli 2025 oder die neue Strategie für Lehr- und Forschungsaktivitäten 2030 mit den zentralen Säulen Qualität, Relevanz und Sichtbarkeit. Als ZEWISS-Team wollen wir Teil dieser Entwicklungen sein und versuchen, Bewusstsein für individuelle Schreibprozesse zu schaffen, für deren Rahmenbedingungen sowie deren notwendige Anleitung und Reflexion bei der Textproduktion. Indem wir Studierende, Lehrende, Forschende und Mitarbeiter*innen als Akteur*innen einer hochschulweiten literalen und guten wissenschaftlichen Praxis verstehen und unterstützen wollen, fördern wir das Verantwortungsbewusstsein für den eigenen Text. Auf diese Weise tragen wir auch zu einer disziplinären schriftlichen Vielfalt sowie zu Selbstwirksamkeit und Empowerment im Umgang mit der eigenen Schreibstimme bei. Unsere Arbeit stärkt so zum einen die Qualität schriftlicher Produkte, zum anderen die Schreibenden selbst und rahmt damit auch die weitere Profilierung unserer Hochschule.
Diskutieren Sie mit!
- Welche Rolle spielen Schreibzentren zukünftig in Bildungsinstitutionen?
- Wie können Schreibzentren in ihren Kernkompetenzen sichtbar bleiben und den wachsenden Anforderungen, die sich aus neuen Technologien ergeben, gerecht werden?
- Inwiefern müssen sich Schreibzentren in Hinblick auf Schreibprozesse und KI transformieren?
Cite this article as:
Rösler, K., Astleithner, F. & Baghbani, P. (2025). Zehn Jahre Schreiben im Zentrum. In Die Schreibtasche für Schreibdidaktik, 26/08/2025, https://doi.org/10.58079/14ia7, https://schreibtasch.hypotheses.org/3693
- Bis 14. Juli 2025 „Fachhochschule Campus Wien – University of Applied Sciences”. ↩︎
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Gastbeitrag (26. August 2025). Zehn Jahre Schreiben im Zentrum. Die Schreibtasche für Schreibdidaktik. Abgerufen am 15. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/14ia7