Future Skills gezielt fördern: Perspektiven aus dem Schreibzentrum der FHV-Bibliothek
Hochschulen nehmen bei der Vermittlung von Future Skills, so auch KI-Kompetenzen, eine Schlüsselposition ein. Wie KI nachhaltig, reflexiv und synergetisch genutzt werden kann, zeigen die Angebote des Schreibzentrums der Fachhochschule Vorarlberg (FHV – University of Applied Sciences).
Künstliche Intelligenz (KI) verändert das wissenschaftliche Arbeiten rasant – das Schreibzentrum der FHV schlägt vor, wie Hochschulen Future Skills und KI-Kompetenzen nachhaltig fördern können.
KI treibt die digitale Transformation rasant voran. Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, ist es entscheidend, dafür notwendige neue Kompetenzen gezielt zu fördern und an die veränderten Anforderungen insbesondere an Bildungsinstitutionen anzupassen. Gleichzeitig müssen an Hochschulen die Kriterien der Wissenschaftlichkeit unabhängig von verwendeten Tools erfüllt sein (Buck, 2025, S. 85; Gröner, 2025, S. 101).
Somit rückt nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein breites Spektrum an Future Skills in den Fokus. Wer zukunftsfähig handeln will, benötigt u.a. Informationskompetenz, kritisches Denken sowie einen souveränen Umgang mit Medien.
Die Kompetenzvermittlung und der Einsatz von KI im Studium müssen daher als zentraler Baustein der Hochschulentwicklung verstanden werden (Brommer et al., 2023). Ziel ist es, Studierende, Lehrende und Forschende zu befähigen, KI‑Systeme verantwortungsvoll zu nutzen, dabei kritisch zu hinterfragen und sinnvoll zu lenken. Studierende profitieren dabei besonders von offener Kommunikation im Lehrsetting und effizienter Anwendung von KI-Tools.
Schreibzentren als proaktive Impulsgeber
Hochschulen nehmen im Zuge des digitalen Wandels eine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Kompetenzen an Studierende ein (Brommer et al., 2023). Am Beispiel des wissenschaftlichen Schreibprozesses kann gezeigt werden, wie KI-Tools – angepasst an individuelle Schreibbiographien – so Einsatz finden, dass sich Prozesse effizienter und ressourcensparender gestalten. Fehlt die KI-Kompetenz, bedeutet dies für Studierende mitunter Mehraufwand, Verunsicherung oder das Risiko eines Plagiats.
Wie kann dies gelingen?
Studierende nutzen ChatGPT & Co in ihrem Alltag, im privaten Bereich, Berufsleben und auch im Studium. Wie konkret können nun Hochschulen und Schreibzentren Studierenden Orientierung bieten, um Chancen und Herausforderungen von KI nachhaltig zu reflektieren?
Ein grundlegender Ansatz dürfte dabei der synergetische Wissenstransfer darstellen, beispielsweise durch an die jeweilige Hochschule angepasste Formate.
An der Fachhochschule Vorarlberg (FHV – University of Applied Sciences) wurden bereits verschiedene Formate erfolgreich etabliert. Sie können als Impulse dienen, um – auf Grundlage erster Erfahrungen – KI im Studium umfassend zu verankern. So lassen sich Studierende ganzheitlich auf ihrem Weg zur Erlangung von KI- und Future Skills begleiten.
Folgende Formate werden hier kurz skizziert:
1. KI-Labs als Tool für gemeinsames Erforschen
Das Format zeigt sich als gemeinsamer Experimentierraum und stellt das Teilen von Learnings in den Vordergrund. KI-Labs vernetzen Lehrende, Forschende und Studierende, sowohl innerhalb von Fachbereichen und Studiengängen als auch interdisziplinär an kleineren Hochschulen. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und Unsicherheiten zu reduzieren.
Der Ablauf der KI-Labs ist in 5 Schritte gegliedert:
Im Vorfeld wird eine kurze Information per E-Mail mit organisatorischen und inhaltlichen Details, unter anderem zum Thema des KI-Labs, an alle Teilnehmenden gesendet. Teilnehmende werden eingeladen, eigene Fragestellungen vorzubereiten und während des KI-Labs zu bearbeiten. So gelingt der Bezug zur Anwendung im eigenen Wirkungsbereich optimal.
Startpunkt eines jeden KI-Labs ist eine kurze Einführung zu Ablauf und verwendeten Tools, um alle Personen fachlich auf ähnlichen Wissensstand zu bringen.
Im Anschluss erfolgt anwendungsbezogenes Ausprobieren unter fachkundiger Anleitung. Diese Phase hat Workshopcharakter und gestaltet sich interaktiv und lebendig. Aus dieser Phase lassen sich Best-Practice-Beispiele ableiten und dokumentieren. Eine umfassende Wissensplattform (z. B. MS Planner) dokumentiert schließlich relevante Inhalte, ermöglicht eine strukturierte Navigation durch alle diskutierten Themen, sammelt systematisch Feedback und unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden im eigenen Experimentierprozess.
Echo der Teilnehmenden
Seit 2024 werden an der FHV KI-Labs nach diesem Konzept angeboten. Sie dauern in der Regel zwischen 90-120 Minuten, abhängig von der Dauer der Diskussionen. Jedes Thema ist eigenständig, kann außerhalb des regulären Lehrplans besucht werden und eine Teilnahme kann unabhängig von den anderen KI-Labs erfolgen. Im Studienjahr 2024/25 fanden pro Semester 2-3 KI-Labs statt. Das Feedback der Teilnehmenden ergab bislang folgende Vorteile: Wissenstransfer durch Erfahrungsaustausch, Effizienzsteigerung, transparente Vermittlung von KI-Inhalten sowie die Reduktion von Unsicherheiten im Umgang mit KI. Besonders spannend ist dabei, dass durch die Mischung an Teilnehmenden auch unterschiedliche Perspektiven und Erwartungshaltungen an KI-Tools diskutiert werden.
2. Campusinterne Plattform “KI und wissenschaftliches Arbeiten”
Dieses Format stellt campusintern Studierenden klare Rahmenbedingungen, hilfreiche Leitlinien, konkrete Prompts, Hinweise zu Datenschutz- und Urheberrechten sowie bewährte Anwendungsbeispiele (siehe Bräuer et al., 2023, S. 88–89) bereit. Studierende sollen rasch Überblick über verschiedene Informationsmodule erhalten und dort länger verweilen, wo sie eigenen Kompetenz- und Informationsbedarf orten. Rasche Überschaubarkeit und kompakte, verständliche Sprache sind dabei entscheidend für die frequente Nutzung. Das Format stellt auch für Lehrende Vorteile dar: Einzelne Module lassen sich flexibel in Lehr- und Lernprozesse integrieren und können als digitale Selbstlernangebote, beispielsweise im Kontext von Blended Learning, genutzt werden. Die Plattform ist dynamisch und wächst laufend. So sind Lehrende und Studierende eingeladen, ihre Best-Practice-Beispiele zu teilen. Das Schreibzentrum der FHV spielt hierbei eine proaktive, vernetzende Rolle.
Modular kann diese Lernplattform ausgebaut werden, beispielsweise mit Tools zur Selbstüberprüfung oder Video- und Audioformaten.
3. Face-2-Face-Angebote
Ein kluger und selbstbestimmter Einsatz von KI kann auf vielen Ebenen sinnvoll sein. Werden KI-Systeme jedoch nicht kompetent genutzt, können sie Selbstwirksamkeit und Lernprozesse stören. Persönliche Beratungsgespräche bleiben daher ein zentrales Tool, um Schreibprozesse sinnvoll zu lenken. Soziale Interaktionen unterstützen so individuelle Entwicklungsprozesse auf reflexive, nicht-direktive Weise. An der FHV geschieht dies einerseits in persönlichen, vertrauensvollen Beratungsgesprächen unter vier Augen oder alternativ gruppenweise, andererseits auch bei gemeinsamen, interdisziplinären Schreibabenden in der Bibliothek. Für Ratsuchende gibt es stets die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder sich Tipps zu holen, auch zu KI-Themen.
Kurzes Fazit
Durch die gezielte Förderung von Austauschformaten wie interdisziplinären KI-Labs, praxisnahen Workshops und digitalen Plattformen kann eine nachhaltige Lernkultur etabliert werden, in der Studierende, Lehrende und Forschende gemeinsam Kompetenzen entwickeln, Barrieren abbauen und Wissen teilen. So entsteht ein Umfeld, das Innovation, kritische Reflexion und literale Fähigkeiten gleichermaßen fördert. Dies ebnet im Gesamtbild den Weg für zukunftsorientierte Bildungsangebote. Erste Feedbacks an der FHV unterstreichen, dass KI-Angebote einerseits unterschiedlich im Format organisiert und andrerseits sinnvoll aufeinander abgestimmt sein sollten.
Literatur
Bräuer, G., Hollosi-Boiger, C., Lechleitner, R., & Kreitz, D. (2023). Literacy Management als Schlüsselkompetenz in einer digitalisierten Welt. Ein Arbeitsbuch für Schreibende, Lehrende und Studierende. Barbara Budrich GmbH. https://doi.org/10.3224/84742742
Brommer, S., Berendes, J., Bohle-Jurok, U., Buck, I., Girgensohn, K., Grieshammer, E., Gröner, C., Gürtl, F., Hollosi-Boiger, C., Klamm, C., Knorr, D., Limburg, A., Mundorf, M., Stahlberg, N., & Unterpertinger, E. (2023). Wissenschaftliches Schreiben im Zeitalter von KI gemeinsam verantworten (Hochschulforum Digitalisierung beim Stifteverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., Hrsg.). Edition Stifterverband. https://hochschulforumdigitalisierung.de/wp-content/uploads/2023/11/HFD_DP_27_Schreiben_KI.pdf
Buck, I. (2025). Wissenschaftliches Schreiben mit KI (1. Aufl.). UTB. https://doi.org/10.36198/9783838563657
Gröner, C. U. (2025). Wissenschaftlich argumentieren und zitieren. Logisch und korrekt. UTB.
Was ist Ihre Sichtweise?
- Welche Formen der KI-Integration gibt es an Ihrer Hochschule für Studierende und Lehrende?
- Welche Rolle spielt das Schreibzentrum im Transformationsprozess an Ihrer Hochschule?
- Welche Angebote werden besonders häufig genutzt?
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Claudia Franceschini (15. Dezember 2025). Future Skills gezielt fördern: Perspektiven aus dem Schreibzentrum der FHV-Bibliothek. Die Schreibtasche für Schreibdidaktik. Abgerufen am 15. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/15cft
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